Was verbirgt sich hinter dem Begriff und warum hat sich der GCE dem Projekt angeschlossen?

Als der GCE 2009 unseren Golfplatz durch den Sachverständigen Herrn Dr. Gunther Hardt begutachten ließ und der Vorstand durch den Deutschen Golfverband bereits früher auf das Projekt Golf & Natur aufmerksam gemacht wurde, beschloss der Vorstand, sich dem bundesweiten Projekt anzuschließen. „Golf & Natur“ ist eine praxisnahe Anleitung, um das gesamte Spektrum der Pflegemaßnahmen auf einer Golfanlage zukunftsorientiert abzusichern.

Der geplante Umbau schien der ideale Zeitpunkt zu sein, nachhaltig in den Natur- und Umweltschutz zu investieren. Unser nahezu 100 Hektar großer Platz mit seiner hohen Biodiversität, - hoch gelegen auf dem waldreichen Elbhang – mit seinen kilometerlangen Knicks, im Osten angrenzend an das amphibienreiche Bistal und Ausläufer des Sachsenwaldes, drängte sich für das Projekt Golf & Natur geradezu auf.

Was erwartet der GCE von diesem Programm?

Ø  Betonung von Naturschutz und Ressourcenorientierung als Werte unseres Golfclubs

Ø  Stärkung des Bewusstseins unserer Mitglieder für Natur und Umwelt

Ø  Kosteneinsparung durch sparsamen Umgang mit Ressourcen wie Dünger, Spritzmitteln und Wasser.

Ø  Motivation und Weiterbildung der Mitarbeiter

Ø  Reduzierung der Haftungsrisiken für den Club durch strikte Beachtung sicherheitsrelevanter Aspekte

Ø  Standortegerechte, zielorientierte und nachhaltige Ausrichtung des Pflegemanagements unter Berücksichtigung des integrierten Pflanzenschutzes.

Ø  Stärkung der Glaubwürdigkeit in der Bevölkerung, Behörden und Naturschutzorganisationen

Wie sahen nun die ersten Aktivitäten aus?

Zunächst galt es, dem Konzept Golf & Natur entsprechend, eine Bestandsaufnahme durchzuführen. Pläne, behördlichen Auflagen, Genehmigungen Pflanzenschutzbestimmungen, Platzbesonderheiten etc. wurden geordnet, erarbeitet und aufgeteilt in die Bereiche:

Ø  Natur und Landschaft

Ø  Pflege und Spielbetrieb

Ø  Arbeitssicherheit und Umweltmanagement

Ø  Öffentlichkeitsarbeit und Infrastruktur

Dies war Voraussetzung für die Erlangung des „Bronze“ Zertifikates Golf und Natur, das dem GCE am 8. März 2012 durch den DGV ausgehändigt wurde

Schon durch die Erstellung der Bestandsaufahme ergaben sich Anregungen, wie das Konzept weiter umgesetzt werden kann aber wie sollte es nun wirklich weitergehen um das Zertifikat „Silber“ zu erhalten?

Es war bekannt, dass das Verhältnis zwischen den Golfplatzbewerbern und dem NABU nicht immer das Beste war. Warum sollte nicht ein Versuch gemacht werden, gemeinsam etwas für den Natur-und Umweltschutz zu tun?

Also ging man auf den NABU Geesthacht zu und stieß nicht nur in der Person des Biologen Dr. F. Ringe sondern auch beim Vorstand des NABU auf offene Ohren. Daraus entwickelte sich eine fruchtbare Zusammenarbeit, die dazu führte, dass u.a. Totholz nicht mehr abtransportiert wurde, sondern insbesondere Käfern als ihr Habitat überlassen wurde. Stein-, Ast- und Laubhaufen wurden für Insekten, Marder und Igel angelegt ebenso auf den Südhängen der neuangelegten Knicks Biotope für Reptilien. Unsere Folienteiche haben steile Böschungen, zu steil, um Amphibien den Ausstieg zu ermöglichen. Also wurden als Ausstiegshilfen, Matten angebracht und die großen Fische - Feinde junger Amphibien- weitgehend abgefischt. Auch die Senke am Teich der Bahn 8 dient dem Amphibienschutz, und soll den Amphibien die Wanderung zu den Entwässerungsgräben erleichtern.

Das Grün der Bahn 12 mit seinem Teich liegt dem „Bistal“ recht nah. Er wird nun ständig feucht gehalten, um langfristig dieses Biotop an das Landschaftsschutzgebiet „Bistal“ anzuschließen. Das Gleiche gilt für den Teich hinter dem 7. Grün, der kaum mehr ins Spiel kommt und in dem sich nun hoffentlich die Amphibienwelt ungestört entwickeln kann.

Wie vielfältig die Vogelwelt auf unserem Golfplatz ist, zeigt die Zählung von Herrn Dr. F. Ringe aus dem Jahre 2012. 56 verschiedene Gast- und Brutartenvögel, unter ihnen seltene und gefährdete Arten wie der „Neuntöter“ wurden beobachte und in einer lesenswerten Studie im September 2012 beschrieben. Zu sehen sind die Vögel auf einer Schautafel, die großzügig von 2 unserer Mitglieder gesponsert wurde und auf dem Weg zum 10. Abschlag zu sehen ist. In 2014 soll die Zählung wiederholt werden, um evtl. Auswirkungen des Platzumbaus auf die Flora und Fauna zu erfassen. Eine vogelkundliche Wanderung, ein Vortrag über die Vogelwelt, ein Weiterer mit dem Thema „Was suchen Bienen auf unserem Golfplatz“ von unserem Mitglied H. Kress rundeten die Aktivitäten ab. Seine Völker, inzwischen an einen Jungimker übergeben, stehen nun auf dem Nordplatz haben im ersten Jahr bereits 94 Gläser Honig gesammelt. Von Mitgliedern gespendete „Insektenhotels“ zieren die Südfronten einiger unserer Schutzhütten

Das großzügige Angebot unseres Präsidenten 2012, den Erlös aus seinem „Preis des Präsidenten“ dem NABU zu Verfügung zustellen nahm dieser gerne an und investierte wiederum dieses Geld (ca. 3.000 Euro) in Form von Fledermauskästen, Großhöhlen, Nistkörben und Haselmauskästen, die dann im Jan. 2013 auf unserem Golfplatz vom NABU und eines Mitgliedes des GCE-Vorstandes installiert wurden und bereits überprüft wurden, um beobachten, wie und wer Einzug gehalten hat.

Was war noch erforderlich, um „Silber“ zu erreichen?

Der gesamte Bereich Arbeitssicherheit und Arbeitsschutz musste überarbeitet werden. So wurde eine Fachkraft für Arbeitssicherheit und ein Arbeitsmediziner bestellt, ein Sicherheitsbeauftragter ein Ersthelfer und ein Pflanzenschutzbeauftragter ernannt, das Personal in Sachen Arbeitsschutz geschult und das Gefahrenstoffmanagement neu geordnet. Dazu gehörte die Bereitstellung von Sicherheitsdatenblättern, Alarm- und Notfallplänen. Großen Raum nahm die Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung des gesamten Golfplatzgeländes ein. Die daraus gezogenen Konsequenzen sind unter anderem für jedermann sichtbar in Form neuer Beschilderungen, Rettungsmitteln etc. Hierzu gehörte auch die erfolgte Blitzschutzverbesserung aller Hütten.

So vorbereitet konnte der Vorstand dann gelassen dem Audit unter Leitung von Herrn Dr. Gunther Hardt und Herrn Reinhard Buchholz von der DQS (Deutsche Gesellschaft für Zertifizierung von Managementsystemen) am 25. März 2013 entgegensehen und als 2. Golfclub Schleswig-Holsteins das Zertifikat „Silber“ des DGV entgegennehmen.

Was ist nun seit 2013 geschehen?

Erfreulich hat sich die Zusammenarbeit mit dem NABU insbesondere in Person von Herrn Dr. F. Ringe entwickelt. Mit ihm zusammen wurden sämtliche Beregnungskästen kontrolliert und man glaubt es kaum, viele Amphibien (Molche, Frösche etc.) aus ihrem Gefängnis befreit kartiert und anderswo wieder ausgesetzt. Als weitere Anbindung an das Landschaftsschutzgebiet im Osten unseres Platzes wurde zwischen dem 6. Abschlag und 7. Grün ein 6.000 m² große Wiese mit heimischen Kräutern und Gräsern eingesät. Sie wird uns und die Fauna hoffentlich erstmals im Sommer 2014 erfreuen

Mit Hilfe unserer Jugend haben wir ca. 400 kg Äpfel von der Streuobstwiese geerntet, die uns 245 Flaschen herrlichen Apfelsaft bescherte.

Um rechtzeitig alternde Bäume zu ersetzen und schonenswerte zu erfassen wurde ein Baumkataster eingerichtet und so ca. 360 Bäume aufgenommen und die Knickpflege dem Knickpflegeplan von 2004 auflagegemäß fortgeführt.

Die immer höheren Treibstoffkosten veranlassten den Vorstand, dem Verbrauch der einzelnen Mäher nachzugehen, die selbst keine Verbrauchsanzeigen aufweisen. Der so festgestellte hohe Verbrauch wird in Zukunft immer mehr über den Typ und Art der Neuanschaffungen entscheiden.

Die Beregnungsanlage entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen. Daher wird sie zurzeit mit einem neuen Computerprogramm ausgestattet, das minutengenaue und gezielte Beregnung der Grüns und Abschläge ermöglicht und zu sorgsamen Umgang mit der Ressource Brunnenwasser führen wird.

"Gold "

Am 20.03.2014 war es dann soweit. Im Rahmen eines 2- tägigen Audits erhielt der GCE als 3. Club Schleswig-Holsteins das Golf & Natur Zertifikat in Gold. Die Urkunde wurde dem Club später im Rahmen einer Feierstunde während des Verbandstages in Frankfurt vom Vorsitzenden des Deutsche Golfverbandes ausgehändigt. Die wichtige Konformitätsbescheinigung der DQS folgte dann wenig später. Sämtliche Urkunden schmücken seitdem das Foyer des Clubhauses.

Wie sieht die weitere Zukunft im Rahmen des Projektes Golf & Natur für den GCE aus?

Zunächst gilt es, den erreichten Stand zu erhalten und wenn möglich zu verbessern, da alle 2 Jahre der Status durch den DGV überprüft und ggfs. auch aberkannt wird. Fortgesetzt wurde in 2014 die erfreuliche Zusammenarbeit mit dem NABU Geesthacht. Die 2012 aufgehängten Nistkästen und Haselmauskobel werden jährlich überprüft und die Bruterfolge protokolliert. Wie schön, dass ein Haselmäuschen 2016 in ein Kobel eingezogen ist. 2014 wurde durch Herrn Dr. F. Ringe in einer umfangreichen Studie die auf dem Gelände des GCE beobachteten Amphibien-, Libellen- und Reptilienarten erfasst und kartographiert. Die Frage war: Haben die Umbaumaßnahmen eine negative Auswirkung auf die Vogelwelt gehabt? Erfreulicherweise war das Gegenteil der Fall, inzwischen sind 64 Vogelarten auf unserem Gelände heimisch – 8 mehr als 2102.

Bei einem zufälligen Blick in einen der Beregnungskästen fand man mehr oder minder abgemagerte Amphibien, die sich dort hinein verirrt hatten. Das war der Anlass alle ca. 70 Kästen ein- bis zweimal jährlich zu kontrollieren und die gefundenen Berg- und Kammmolche, Erdkröten etc. zu befreien und auch dies zu protokollieren.

Wir können uns über die Vielfalt von Flora und Fauna freuen. Diverse Pflanzen, Tier- und Vogelarten, die auf der "Roten Liste" stehen und besonders zu schützen sind, sind auf unserem Platz beheimatet. So soll es auch bleiben!

Im Herbst wurden und werden von den Jugendlichen von der Streuobstwiese wieder Äpfel geerntet; unsere Bienen sammelten fleißig Nektar und bescherten dem Imker ca. 60 kg. Honig. Einige Gläser übernahm der GCE und versah sie mit einer besonderen Banderole. Sie werden den Siegern und Gästen als Preise übergeben. Die Kräuterwiese am 1. Abschlag wurde erneuert und eine 2. auf der rechten Seite angelegt. Im Herbst 2015 wurde eine weitere Kräuterwiese, gesponsert durch eines unserer Mitglieder zwischen den Bahnen 6 und 7 eingesät.

Seit dem Frühjahr 2016 beteiligt sich der GCE an der "Hamburg Allianz für Wildbienen" einem Wildbienenschutz Referenzprojekt. Möglich wurde dies durch die bereits vorhandenen Kräuterwiesen. Im Rahmen dieses Projektes ist geplant rechts neben der Bahn 8 im Herbst eine weitere ca. 4.000 m² große Kräuterwiese zu schaffen. Die notwendigen Planungen und Abstimmungen mit den Behörden   wurden großzügiger weise ebenfalls gesponsert.

In Kürze wird das renovierte und gespendete Entenhaus wieder seinen Platz am Teich der 11 finden.

Wir hoffen, dass alle diese Maßnahmen dazu führen, das uns unser Zertifikat "Gold" nach dem Re-Audit im August erhalten bleibt.

Der Vorstand des GCE wird auch in Zukunft dafür sorgen, dass Golfsport im GCE immer mehr im Einklang mit der Natur stattfindet. Eine Herausforderung für die Greenkeeper wird es sein, trotz weiterer gesetzlicher Einschränkungen von Pflanzenschutzmitteln, gute Spielbedingungen zu schaffen. Integrierter Pflanzenschutz und sparsamer Umgang mit der Ressource Wasser wird dabei eine immer größere Rolle für zielgerichtete und nachhaltige Golfplatzpflege spielen.

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